Erich Kastner by Gullivers Reisen

Erich Kastner by Gullivers Reisen

Author:Gullivers Reisen [Reisen, Gullivers]
Language: deu
Format: epub
Published: 2012-03-13T13:14:18+00:00


Nach vier Wochen war das Boot seetüchtig. Vierhundert Fleischer und Köche beluden es mit geräuchertem Fleisch von hundert Ochsen, zweihundert Schweinen und dreihundert Hammeln, mit tausend frischen Broten und zahlreichen Fässern mit Wasser und Wein. Auch einige lebende Milchkühe, Schafe und Pferde machte mir der Kaiser zum Geschenk sowie das nötige Futter für die niedlichen Tiere, und dann brachte er mich persönlich zum Hafen. Als ich aufs Meer hinausruderte, winkte er mir freundlich nach. Und seine Untertanen winkten mit ihm.

Das geschah am 24. September 1701. Das Meer war friedlich, und auch sonst brachte mir das alte Boot unverhofftes Glück. Schon am dritten Tag sichtete mich ein Kauffahrteischiff, welches kurz darauf zum Zeichen, daß man mich bemerkt habe, eine Kanone abfeuerte und die Flagge hißte. Es kam aus Japan und segelte nach England zurück. Man setzte zwei Boote aus und holte mich samt meinem Boot an Bord. Endlich war ich wieder unter Menschen! Noch dazu unter Landsleuten! Ganz richtig wurde mir das erst klar, als der Kapitän eine Mahlzeit auftischen ließ. Der Koch brachte mir ein Hammelkotelett, das fast so groß war wie mein Handteller! Und einen Krug mit schäumendem Bier aus Liverpool! Den ersten Schluck werde ich bis an mein Lebensende nicht vergessen. Nachdem ich mir den Mund gewischt hatte, konnte der Kapitän seine Neugier nicht länger bezwingen. Die »Antilope«, sagte er, sei mit Mann und Maus untergegangen, auch der Schiffsarzt Lemuel Gulliver, für den ich mich ausgäbe, habe auf der Totenliste gestanden. Nun erzählte ich ihm also meine Abenteuer. Er hielt mich für einen Aufschneider, bis ich ihm die winzigen und possierlichen Kühe, Schafe und Pferde zeigte, die ich bei mir hatte. Nun war er endlich überzeugt. Am 13. April 1702. landeten wir in England. Mary, meine Frau, und die beiden Kinder fielen vor Freude in Ohnmacht. Anschließend fielen sie mir um den Hals. Und dann zogen sie rasch die Trauerkleider aus, die sie seit Monaten trugen.

Nachdem ich mich ein paar Wochen ausgeruht hatte, zogen wir auf den Jahrmärkten umher, zeigten der staunenden Welt mein niedliches Kleinvieh und verdienten eine Menge Geld. Doch das habe ich schon in der Vorrede erzählt.

So ging es uns recht gut, und ich wäre gern daheim geblieben. Doch im August erhielt ich ein Schreiben der Ostindischen Handelsgesellschaft, worin sie mich an unseren Vertrag erinnerte und mir mitteilte, daß ich, da ich erfreulicherweise noch am Leben sei, im September auf dem Schiff mit dem Namen »Abenteuer« die nächste Reise antreten müsse. Mary und die Kinder wollten mich nicht fortlassen. Doch ein Vertrag ist nun einmal ein Vertrag, in England mehr noch als anderswo. Und so mußte ich wieder an Bord. »Es hilft nichts«, sagte ich zu Mary. »Und außerdem, das fühle ich, gibt es diesmal kein Unglück.« Wie sehr ich mich irren sollte, lest ihr im nächsten Kapitel.

Als das Schiff die Anker gelichtet hatte, winkten wir einander zu. Mary und John und Betty standen am Kai und wurden immer kleiner, bis sie mir so klein vorkamen wie eine Frau und zwei Kinder aus Liliput oder Blefuscu.



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